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Press Interviews

Wahrschauer (April 09)

Wahrschauer: Wieso seid Ihr jetzt bei einem neuen Label? Und wieso Fucking Ways? Erzähl mal was über Neil Leyton, den Chef.
Ralph: (lacht laut) Entschuldigung, aber das Label heisst nicht Fucking Ways, sondern Fading Ways!! Neil wird sich totlachen, wenn wir ihm das erzählen. Er stammt aus der kanadischen Glam-Rock-Szene, wohnte zuletzt jahrelang in London und hat dort als Soloartist mit Begleitband einige Alben veröffentlicht. Er wohnt seit letztem Jahr in Portugal und hat durch seine Weltwanderschaft mehr ein Netzwerk als ein Label gegründet. Fading Ways hat eigenständige Büros in Canada, UK, Finnland, Italien, Schweden, Niederlande und eben Portugal, wenn ich keins vergessen habe. Ich sage immer, Neil ist ein sozialistischer Kunst-Entrepreneur, denn seine Einstellung zu den betreuten Künstlern ist genau das, was man sich wünscht. „Independent“ im ursprünglichsten Sinne. Wir haben uns genau das immer gewünscht. Ausserdem haben wir zum ersten Mal einen Menschen gefunden, der sich wirklich mit hohem persönlichen Einsatz für uns eingebracht hat, jederzeit ansprechbar ist und hilft wo er nur kann.

Wahrschauer: Wie kam es zur Satanic Army? Wenn ich es richtig verstanden habe, gibt es da bestimmte Goodies für die Mitglieder?
Ralph: Ja, genau. Wir machen das seit dem Debut-Album und ursprünglicher Hintergedanke war, Geld zum Pressen des Vinyls zu bekommen. Mittlerweile ist es vor allem ein Fan-Projekt und wir möchten allen Mitgliedern neben dem Album etwas Besonderes bieten. So war das beim letzten Mal beispielsweise eine DVD mit einer Art Tourfilm, dieses Mal eine Zusatz-CD mit rohen, frühen Fassungen einiger Tracks, Liveaufnahmen und Unveröffentlichtem. Ausserdem hatten wir diesmal auch eine eigene Website dafür am Start, auf der man in regelmässigen Abständen, so in etwa nach dem Vorbild der Neubauten, eben jenes Material, das am Ende als komplette CD kam, downloaden konnte. Natürlich inklusive der kompletten Interaktivität. Die Fans bekamen bpsw. jeden Tag im Studio ein Update von uns und konnten das kommentieren. Das Ganze lief über 11 Monate.

Wahrschauer: Offensichtlich ist Euch ein Release auch als Vinyl-Version wichtig. Woher kommt der Vinyl-Relaunch? Wird es wieder atmosphärisch ansprechende Vinylplattengeschäfte geben in der Zukunft?
Ralph: Ich hoffe. Ich hoffe es sehr. Neben jenen, die mit einer gebrannten und nicht beschrifteten CD zufrieden ist, wird der Ästhet immer bestehen. Jede Strömung hat eine Gegenströmung. Je stärker die eine, desto stärker die andere. Vinyl wird überleben. Selbst wenn die CD gestorben ist. Eine Schallplatte wirft man nicht weg. Wenn sie mir nicht gefällt, stelle ich sie nach hinten oder verkaufe sie. Aber was denkst Du, wie viele CDs ich schon weggeworfen habe?

Wahrschauer: Häufig geht es in den Texten um Tod, Gewalt, Sünde etc, neben Sachen wie Sex und Liebe, die auch vorkommen. Du hast erzählt, das seien keine Eins zu Eins Geschichten, aber spricht möglicherweise trotzdem (D)ein Alter Ego durch die Texte?
Ralph: Mmmh. Nee, ich hoffe nicht. Ist mir zumindest nicht bewusst. Irgendwas in mir treibt mich zu diesen Texten. Ich kann Dir das nicht erklären. Da mögen ein paar degenerative Gedanken in mir sein, doch zumindest kann ich sie kanalisieren. Natürlich tauchen auch viele Gedanken und Bilder aus meinem eigenen Leben auf, doch das sind oft nur die Initialzündungen oder manchmal einzelne losgelöste Sätze.

Wahrschauer: Als wir das letzte Mal über Musik-TV sprachen, meintest Du, es wird sterben.
Du hattest recht. Was hältst Du von Youtube und ähnlichen Formaten?

Ralph: Ist ganz nett, klar. Man bekommt Dinge zu sehen, die man sonst nicht gesehen hätte. Ich schau da allerdings nicht gerne rein. Die Welt dadurch so durchschaubar und verliert alle Geheimnisse. Manchmal sind die Dinge die man im Kopf sieht spannender als die Wirklichkeit, zumal wenn sie nur einen Klick entfernt ist. Gerade auch was Bands betrifft. Und dann sieht man sich das auf einem 5 mal 5 Zentimeter grossen Fenster an. Das kann ja nicht spannend sein. Die Legende stirbt bevor sie eine werden konnte. Das ist die Parodie dessen was ein wirklicher Liveauftritt transportieren kann. Meiner Meinung nach hilft das der Musik nicht weiter.

Wahrschauer: Ich vermute „I don´t want no friends“ ist ironisch gemeint. Kennst Du solche Leute wie die in dem Song beschriebenen?
Ralph: Nein. Und ich hab auch immer gesagt, dass ich niemals die Leute in meinen Texten kennenlernen möchte. Ironisch ist das nicht gemeint. Eher provokant! (zwinker)

Wahrschauer: Andy Warhol sagte mal er hätte immer Freunde gewollt, und ab dem Zeitpunkt als er keine mehr wollte und es aufgegeben hatte, liefen ihm alle Leute nach, und wenn man etwas nicht mehr wolle, würde man es sofort kriegen. Was hältst Du davon?
Ralph: Hm. Das ist wohl ein Gesellschaftsproblem, ganz nach Erich Fromm. Hat aber im Grunde auch ein klein wenig, mit „I Don’t Want No Friends“ zu tun. Das ist einfach die wütende und überzogene Ablehnung des Menschen in seiner festgefahrenen Gesetzesmässigkeit, nicht von jedem einzelnen, aber von belangloser Überflüssigkeit und Langeweile, die die Menschheit absondert und konsumiert. Und dann stellt man fest, dass man selbst am allerlangweiligsten ist. Da bleibt konsequenterweise nur ein Ausweg. Darüber erzählt „I Don’t Want No Friends“.

Wahrschauer: "Footsteps" find ich toll, weil es so schön paranoid ist. Hast Du die Idee aus einem Grusel-Horror-Buch oder –Film bezogen oder aus Dir selbst?
Ralph: Beides. Ich warte bei meinen Texten immer, bis Worte aus meinem Unterbewusstsein auftauchen. Wenn Worte da sind, fällt mir der Sinn von alleine ein oder ich erfinde einen Zusammenhang. Hier führten mich die Worte zum Horla von Guy de Maupassant, eine Geschichte, die ich in meiner Kindheit gelesen habe und die dann den weiteren Text inspiriert hat.

Wahrschauer: Das Herzstück der Platte, der Titelsong, ist nicht nur sieben Minuten lang, sondern (teilweise) sehr ruhig und atmosphärisch. Im übrigen beinhaltet er die Lieblings-Textzeile „Every time I see my friends – I have to shake dead hands“ (schon wieder das Freunde-Thema!) Wird es von Euch in Zukunft noch mehr von diesen komplexen und ruhigeren Songs geben?
Ralph: Es gibt bereits welche, von denen einer sogar in derselben Session aufgenommen wurde, dann aber nicht mit auf die Platte kam. Stereo Satanics werden sich weiterentwickeln. Wie genau, wird sich zeigen. Wir legen uns nicht fest. Die Musik wird uns finden.

Wahrschauer: Was ist für Dich Provokation?
Ralph: Eine Überschreitung von Grenzen, um zum Nachdenken anzuregen. Es kann niemals falsch sein, wenn ein Mensch anfängt zu denken oder seine eingefahrenen Gedanken mal etwas auflockert.
Jeder hat aber andere Grenzen. Die Frage ist ja auch inwiefern Provokation zugelassen wird. Das hat viel mit Toleranz und Selbstkontrolle zu tun. Gegen Toleranz ist die Provokation machtlos.
Und dann stellt sich noch die Frage, wo Provokation aufhört. Wenn Mensch, Tier und Umwelt geopfert werden, ist das ja schliesslich keine kalkulierte Provokation mehr, sondern schwerstverbrecherisches Potential.

Wahrschauer: Lässt sich heute überhaupt noch mit irgendwas provozieren? Und wenn ja mit was?
Ralph: Heutzutage ist alles extrem, man denkt, alles ist schon dagewesen, aber das ist nicht wahr. Die Menschheit wird sich immer wieder selbst überraschen. Das hat aber mit Provokation gar nichts zu tun. Provokation ist ganz einfach immer da möglich, wo Menschen intolerant oder stumpf oder beides sind. Heute denkt man, Provokation muss immer Extreme übertreffen, ekelhafter und abstossender sein. Die Hippies haben mit Liebe provoziert. Ich finde es faszinierend, wie die damalige Zeit gewesen sein muss, damit sowas möglich war. Und so bekommt eben jede Zeit und jede Gesellschaft die Provokation die sie verdient. Ausgelutschter Spruch, ich weiss, dennoch ist es wahr.

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madcap (at) stereosatanics.de