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Konzertbesprechungen
Die neusten Reviews findet Ihr hier, später werden sie chronologisch archiviert.

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Alte Sau (Berlin, 2.6.16) - PJ Harvey (Berlin, 20.6.16) - The Jackets (Berlin, 24.5.16) - The Kilaueas (Berlin, 28.5.16) - Lime Crush (Berlin, 2.6.16) - Mondo Furmatore (Berlin, 24.6.16) - The Morlocks (Berlin, 14.5.16) - The Trash Templars (Berlin, 28.5.16) - Travel In Space (Berlin, 24.5.16)

Fr. 24.06.16

Mondo Furmatore, The Sonnenbergs - Berlin, Schokoladen (ca. 50 Zuschauer)
Das erfreut das Herz eines Berufsnörglers, wenn die interessante Band zuerst spielt, mit der Option vor Augen, während der mit Argwöhn erwarteten anderen Band schnell die Flucht ergreifen zu können.
Mondo Furmatore, da dürfen wir ein wenig zurückblättern - aber es gab schon mal einen ersten Blick, meine Damen und Herren, in dieser Gazette - Ihr erinnert Euch, es war gegen 2002, als Support von Jon Spencer in Wiesbaden, was ja nun wirklich erst schlappe 14 Jahre her ist. Länger als ich dachte. Jung waren wir damals, unverfroren, eine vierstündige Fahrt auf ein Konzert war durchaus üblich.
Ich hab gerade gelesen, dass mein damaliger Eindruck über MF gar nicht sooo positiv war, aber dennoch ... ich hab sie niemals vergessen und mich gefreut, hier wieder von ihnen zu hören und bin sofort hingerannt, zwischen zwei Terminen, denn später sollte noch ein Pflichtkonzert folgen.
Heute haben Mondo Furmatore einen Schlagzeuger, einen ausgezeichneten übrigens und wirken sonst etwas weniger experimentierfreudig als ich das von früher in Erinnerung habe. Das Mädchen spielt jetzt Bass, so dass auch das Lineup traditioneller geworden ist. Die Melodien sind schön und sanft, die Gitarren sehr gut und beschaulich. Wie damals, etwas zu soft für den älter aber nicht weniger anspruchsvoll gewordenen (was den Schrecklichkeitsfaktor des Anzuhörenden betrifft) Herren im Publikum. Dennoch Mondo Furmatore sind ok. Ich mag die. Indie-Rock, nichts Ungewöhnliches, aber richtig gemacht. Haltung und Roots wirken einfach 100% integer, es gibt keine Prätentiösität. Ich glaube, das ist mit, was ich bei denen so cool finde und was heute soooo vielen Bands fehlt.
Bspw. den Sonnenbergs. Die wirken wie ne zusammengewürfelte Hobbyband, spielen 60s-gefärbten Party-Pop-Rock, der eher auf Hochzeiten passen würde, auch vom spassgetriebenen Auftreten der Bandmitglieder her. Das hat kein musikalisches Profil und sie sind nicht ... um mal ne ganz bescheuerte Floskel zu verwenden, die ich eigentlich hasse, weil ich sie zuletzt völlig deplatziert von Menschen gehört habe, die einfach weder das Recht noch den Hauch einer Ahnung haben, was dies überhaupt in der Musik bedeutet ... authentisch!
(Ralf, 26.6.16)

Mo. 20.06.16


PJ Harvey
- Berlin, Zitadelle (ca. 8000 Zuschauer)
Bin noch nie hier gewesen, und so schön die Zitadelle auch ist, war das garantiert mein letzter Konzertbesuch hier. Typisches Open-Air Gedöhns. Wusste ich nicht, sonst hätte ich gewartet, bis sie in ein paar Monaten auf Clubtour kommt.
War aber eh kaum der Rede wert. Die neue Platte klingt wie eine etwas sparsamerer Fortsetzung von Let England Shake (und ich meine sparsam in jeder Hinsicht, also auch an Ideenvielfalt), wurde für die Bühne aber dreimal so pompös inszeniert, indem Harvey sich einen Chor an Soldatenmusikern zugelegt hat, die kräftig vor sich hinpaukten oder -tröteten.
Die Intimität der Harvey-Harvey-Parish-Butty-Konstellation der Auftritte zur letzten Platte hatte deutlich mehr Appeal für mich, wirkte weniger inszeniert, persönlicher, feinfühliger, bescheidener.
Klar, sie möchte uns nicht immer dasselbe vorsetzen, doch der Versuch sich neu zu erfinden, auf der Platte diesmal nur durch den ausufernden Einsatz von Saxofonen zu erkennen (lassen wir mal die ganze Message mit diesem Elends-Aufmerksammacher beiseite - denn dazu darf jeder seine eigene Meinung haben), fiel auch live bei mir auf keinen wohlwollend gestimmten Boden.
Ist halt doch nur ne Pop-Musikerin, dachte ich mir am Ende, bisschen anders, durchaus auch sympathisch und so, aber halt doch nur Pop. Ende.
Aber sicher, am Ende freut man sich dann aber trotzdem solche Typen wie Mick Harvey, John Parish, Jean-Marc Butty und diesmal auch die Kollegen von Gallon Drunk zu sehen, nämlich James Johnston und Terry Edwards. Um mich aber noch mal auf eins ihrer Konzerte zu locken, muss aber noch mal was Besonderes passieren, denn wie wohl ich erst mit White Chalk richtig auf Harvey eingestiegen bin, hab ich das Gefühl, jetzt schon wieder hinten runter zu gehen.
(Ralf, 22.6.16)

Do. 02.06.16 Alte Sau, Lime Crush - Berlin, ://about blank (ca. 120 Zuschauer)
Jens Rachut ist in Schaffen und Person einzigartig in Deutschland. Das muss einfach so gesagt werden. Als ich ihn vor zwei drei Jahren in Köln mit Kommando Sonnenmilch sah, hatten ihm die damals noch blutigen Nerven derart an die Wand gespielt, dass ich Schreckliches befürchtete. Zum Beispiel einen Generationswechsel. Aber heuer ist klar, dass die Nerven eine Ausnahmeband sind und Rachut, ungeachtet seiner Legende, sich ganz treu immer wieder neu erfinden kann, immer wieder wunderschöne Rattenlochpoesie entwirft und niemand sich Sorgen machen muss, dass er fad wird.
Mit Alte Sau bringt er Altgewohntes, kleidet es aber ungewohnt. Ein Synthie ist die Basis, macht alle Melodie und alle Bässe, ziemlich waveig, aber überall liegen natürlich dissonante Tretfallen, um das Ganze etwas für unser, an Widerborstigkeiten gewöhntes, Ohr anzupassen. Das Schlagzeug direkt, mitreissend, auch waveig, aber rumpelnd, so wie Rachuts Stimme. Und dazwischen, gerne gehört, der Mädchengesang. Man muss das lieben, auch wenn das schon soviele Leute lieben, dass dann auch mal etwas komisches Publikum zusammenläuft ... und mitgröhlt, herrje. Naja, man ist halt "glücklicherweise" nicht alleine auf der Welt, seufz.
Lime Crush sind eine Punkband aus Wien. 2 Mädchen, 2 Jungs. Haben mir eigentlich sehr gut gefallen, aber ich habs nicht so richtig mitbekommen, weil sie schon spielten als wir ankamen und ich mich erstmal etwas an die neue Location gewöhnen musste.
(Ralf, 4.6.16)
Sa. 28.05.16 The Trash Templars, The Kilaueas - Berlin, Cortina Bob (ca. 70 Zuschauer)
Nicht nur, dass sie hervorragend gespielt haben, die Trash Templars kamen im Cortina Bob bei ihrem Berlin-Debut auch ausnehmend gut an. Da eilt jemanden ein Ruf voraus.
Die Trash Templars haben sich über die letzten Jahre wirklich extrem verbessert und ihr Erfolg ist absolut verdient. Sie bedienen sich nun weniger an den 60s Garage Classics sondern setzen mehr und mehr auf eigene Songs und nutzen dadurch die Möglichkeit, sich auch musikalisch ein eigenständigeres Profil zu verpassen. Handwerklich und klanglich haben sie ihr Ding absolut im Griff. Man könnte jeden einzeln loben aber ihre grosse Stärke ist, dass sie das alles zu einem passenden Ganzen formen. Dazu kommt der sprühende jugendliche Charm. Man merkt, dass sie auch freundschaftlich gut harmonieren und ne Menge Spass zusammen haben. Ich bin gespannt, wie es weiter geht mit ihnen.
Davor die Berliner Kilaueas mit Surf- und Exotica. Leider bin ich nicht der grosse Surf-Fan. Hier hatte der Soundmann auch noch etwas mehr Schwierigkeiten. Der Sound war etwas dünn, leise und zu zahm. Aber so ist eben auch der Surf-Sound grundsätzlich. Ich mags lieber wenn es kracht. Die Kilaueas können aber auf eine lange Historie, vier LPs, Gigs und Fans in aller Welt zurückblicken.
Als ein weiteres Fazit dieses Abend stelle ich wirklich zum wiederholten Male fest, dass das Berliner Publikum wesentlich dankbarer und begeisterungsfähiger als sein Ruf ist, vorausgesetzt wenns nicht grade die coolen Hipsters sind, die den Zwang der Mode leider unabhängig vom dem leben müssen, was ihnen wirklich Spass macht. So gesehen sind sie die wahren Esoteriker, aber das nur am Rande. Berlin ist gut zu euch, liebe Bands.
(Ralf, 29.5.16)
Di. 24.05.16 The Jackets, Travel In Space - Berlin, BLO Ateliers (60 Zuschauer)
Jackie Brutsche, die vielseitige Künstlerin und schweizer Garage-Ikone seit über 15 Jahren, mit ihrer aktuellen Band The Jackets lockte auch an einem schäbigen Dienstag rund 60 Leute in die etwas abgelegenen BLO Ateliers ... und stellte mit ihrer hochunterhaltsamen Show den Laden fast auf den Kopf. Am Ende krümmte die Hälfte des völlig euphorisierten Publikums, erschossen von der grauenvoll schönen Chanteuse, auf dem Boden vor der Bühne und danach erstieg der barbäuchige und wahre Wilde der Garagenszene, der Maharadja des Voodoo-Beats Arish King Khan die Bühne und brüllte zusammen mit dem Berner Trio eine ungehobelte Punknummer in die Menge, dass man Lust bekam, sich die nächsten zwei Wochen nicht mehr zu waschen. Das sass!
Die Stimmung ins Rollen brachte aber auch bereits das Dirty-Blues-Forced-Through-A-A-A-A-Echo-Machine-From-Out-O-My-Mind-Duo Travel In Space, die locker aus dem offenen Schnürsenkel ein geradezu wahnwitzig intaktes Rhyhtmusgefühl präsentierten. Beide spielen Gitarre und singen. Einer tritt mit dem Fuss die Bassdrum, der andere die Snare, vom Becken-Rassel,Hi-Hat-Drumherum ganz schweigen. Das klingt so kaputt und sieht so leichtfertig aus, entlockte mir aber wirklich ein gehörig respektvolles Staunen. Die beiden sehen aus wie zwei verpeilte Abiturienten, die, auf ihren Studienplatz wartend, in den Tag träumen und zwar mit Rauchgräsern, die sie vom Mietzuschuss Muttis finanzieren, den sie nicht brauchen, weil sie sich bei Kumpels auf dem Sofa eingeschleimt haben. Ich sagte, sie sehen so aus. Ich sagte nicht, dass sie so sind, kapiert? Hervorragende Band!
(Ralf, 30.5.16)
Sa. 14.05.16
The Morlocks
- Berlin, Bassy Cowboy Club (200 Zuschauer)
Auf dem linken Foto, meine Herrschaften, sehen Sie ... die MORLOCKS!!! Auf dem rechten Foto sehen Sie ... auch die MORLOCKS. Sie haben sich überhaupt nicht verändert, oder? Selten ne Band gesehen, wo der Name so gut passt, haha. Hätten die Morlocks auf dem linken Foto schwarzgefärbte Haare gehabt und ihre Hackfressen in den Westküsten-Clubs der Mittachtziger etwas im Schatten verborgen, wären sie auf keinem Konzert der damals blühenden Neo-Garage-Szene aufgefallen. Wäre doch zu cool gewesen, wenn sie dann tatsächlich auch auf einem Konzert ihrer Namensableger aufgetaucht wären, die Mittelpunkt dieser Szene waren. Einziges Originalmitglied ist heute Sänger Leighton Koizumi, mittlerweile ansässig in Düsseldorf und dadurch mit einer neuen Schar aus Italien, Holland und Deutschland ausgiebigst unterwegs in ganz Europa.
Nun sind Neo-Bands ja leider oft enttäuschend ähnlich und auch die Morlocks machen da keine gravierende Ausnahme. Ihr grosser Vorteil ist aber dann doch die Persönlichkeit des Frontmannes, der mit seiner wundervoll tiefen Stimme und seiner männlichen aber dennoch selbstironischen Eloquenz ganz unerwartet doch noch Sex-Appeal versprüht. Das zumindest haben wir uns nach 6 Bieren eingeredet. Aber hey, er ist zweifelsohne echt lustig, ich hatte es nicht erwartet.
So boten die Morlocks Stoff für einen unterhaltsamen Abend, dem nur eine Vorband fehlte, denn sonst wären die Leute wohl völlig durchgedreht.
(Ralf, 30.5.16)

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Teufel