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hab ich jetzt mal wieder Platz gemacht.
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Platten 2002

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Atom Rhumba - Chasing The Onagro | The Baseball Furies - Greater Than Ever | The Cool Jerks - Cleaned A Lot Of Plates In Memphis | dayFORday - 2002 | The Heroines - Rock'n'Roll Boy | The Hicktown Heroes - Fuel In My Veins | Hundred Reasons - Ideas Above Our Station | Kickdown - silicon-church.com | Ko And The Knockouts - Selftitled LP | Lydia Lunch And The Anubian Lights - Champagne, Cocaine, and Nicotine Stains | Oslo Motherfuckers - Greetings From The Big O | The Punkles - Punk! | Reigning Sound - Time Bomb High School | Tigerbeat – No.1 | Trashmonkeys - Clubtown | A Tribute To Johnny Thunders

A Tribute to Johnny Thunders - I Only Wrote This Song For You (Diesel Motor Records, 2002) - CD
Eine kleine Geschichte über Johnny: Johnny hatte die längste Zeit seines Lebens Probleme mit Drogen und daher konnte es sein, dass er bei Auftritten mal ein wenig die Kontrolle verlor. Als er während einer Dolls-Show in Memphis nicht in der Lage war, Sound aus seiner 2-Pickups-Gibson zu bekommen, weil er einen Schalter in der falschen Stellung hatte, nahm er die Gitarre kurzerhand und schlug sie zur Begeisterung der Fans in Stücke. Ihr kennt das Cover der zweiten Platte? Diese Gitarre musste in Memphis dran glauben.
Also besorgten sie ihm eine Gitarre mit nur einem Pickup. Da gibt es keinen Umschalter mehr, da konnte er sich nicht mehr verzetteln. Seitdem spielte Johnny vorallem diese One-Pickup-Gitarren und eine davon ist auf dem Cover dieser Tribute-CD abgebildet.
Johnny Thunders starb 1991 und auf dieser CD sind viele seiner schönsten Songs, weniger die Smashhits, sondern vorallem eine sehr liebevolle Auswahl durch alle seine Schaffensphasen.
Was diese CD so ergreifend macht, ist zuallererst die wundervolle Aufmachung (für eine CD ist hier wirklich alles rausgeholt, was machbar ist) und dann die Tatsache, dass nicht irgendwer diese Songs covert, sondern ausnahmslos Musiker, Freunde und Bands, mit denen Johnny zeitlebends zusammen lebte und arbeitete. Und davon gibt es viele.
Allen voran seine New York Dolls-Kumpanen David Johansen, Sylvain Sylvain und der letztes Jahr ebenfalls verstorbene Arthur Kane. Ich zähle jetzt nicht alle auf, nur dass sogar die Toten Hosen dabei sind, da sie, nur zwei Tage vor Johnnys Tod, für ihre Learning English-Platte "Born To Loose" mit ihm zusammen aufnahmen. Ich hab schon immer gesagt, dass die Toten Hosen ok sind, auch wenn ihre Musik nur noch in Bierzelten aufgeführt werden kann.
Im Booklet haben wir alle mitwirkenden Musiker und alle Texte und aufgelistet, sowie ein Statement des jeweiligen Artisten zu Johnny.
Tribute-Alben kranken immer an irgendeiner Ecke, dieses auch, dennoch finde ich, dass es sich aufgrund der ausgesprochenen Nähe zu Johnny Thunders wirklich lohnt. Wer ihn gerne mag, sein Leben, Wirken, Schaffen und Sterben kennt, dem wird diese CD ans Herz gehen.
Oh, da fällt mir noch eine Geschichte zu Johnny ein: Als ich 2001 in Las Vegas auf dem Shakedown-Festival an einem Plattenstand kramte, kaufte ein junges Mädchen neben mir seine Akkustik-Solo-10", die wo "You Can't Put Your Arms Around A Memory" (was für ein Song, auf dem Tribute-Album übrigens von Willy DeVille gecovert, der Johnny in New Orleans zuletzt traf und auch half, seinen leblosen Körper aus dem Hotelzimmer zu tragen) drauf ist. Ich habe die Platte. Ich habe sie einmal gehört und dann in den Schrank gestellt. Die Coverfotos sind wie immer aber superklasse und man verkauft einfach keine Johnny Thunders-Platte und wenn sie noch so halbgut ist. Ich wünschte mir in diesem Moment jedenfalls, dass ich auch mal so ein Wrack werden und kurz vorm Ableben eine Platte mit melancholischen Akkustiksongs aufnehmen möchte, das dann später alle jungen Mädchen kaufen.
(Ralf)
The Baseball Furies - Greater Than Ever (Big Neck Records, 2002) - LP
Laut ihrem Label sind sie die wildeste Band Amerikas und ihre Liveauftritte legendär. Kann ich leider nicht beurteilen, weil ich sie nie gesehen habe. Dies ist jedenfalls ihr erster Longplayer und ich finde ihn nicht sehr packend. Es steckt zwar ne Menge Wut jenseits der Verzweiflung in den Texten und der Sänger schreit sich die Seele aus dem Leib aber musikalisch kommt bei mir nicht viel an.
Es ist ja nicht so, dass dieser typisch amerikanische Punkrock der lebensverweigernden Sorte mich nicht interessieren würde, im Gegenteil, doch fehlen mir ausser den ergreifenden Riffs und der mitreissenden Rhythmik auch die Songs, an die man sich beim zweiten Hören wieder erinnert. Ich finde hier einfach nicht den ansprechenden Reibungspunkt oder den Anker, der sich an mir festkrallt und mich mitnimmt. Greater Than Ever rauscht leider nur an mir vorbei. Ein zwei Lieder auf jeder Seite fand ich ganz gut, doch das halte ich für insgesamt zu wenig, um mir die Platte auf Dauer ins Regal zu stellen.
(Ralf)
CoverThe Cool Jerks - Cleaned A Lot Of Plates In Memphis (SFTRI, 29.7.02) LP
Jack Yarber (Oblivians, Compulsive Gamblers, Tearjerkers), Dave Boyer und Forrest Hewes von den Neckbones sowie ein mir bislang unbekannter Bassist namens Scott Rogers sind eine scheinbar lose Gemeinschaft gestandener Männer. Jeder schreibt seine eigenen Songs und singt sie auch, so dass es den Eindruck macht, als brauche einer den anderen nur, um seine eigenen Unerträglichkeiten loszuwerden. Dennoch zelebrieren sie nur zusammen in höchster Vollendung, was FÜR MICH Rock'n'Roll ausmacht: Dreckige, alte, verleierte und manchmal auch verstimmte Gitarren. Vocals, die klingen, als wären sie im Hinterhof einer verlausten Bar aufgenommen worden, direkt aus der Kehle eines zwischen Mülltonnen und leeren Whiskeyflaschen liegenden Gentlemen, dessen Finger nach filterlosen Zigaretten und dessen Jacket nach dem billigen Parfum leichter Mädchen riecht. Und dazu ein scheppernder aber hüftenentflammender Beat, zusammengehalten von den Kompositionsqualitäten erfahrender Musiker, die gleichermassen Vergangenheit und Zukunft haben.
"Cleaned A Lot Of Plates In Memphis" schnaubt vor Wut, aber nicht die typische vergehende Aggression eines Teenagers, sondern die eines Mannes, der mit den Jahren nicht aufgegeben hat, seine kleine Bastion der Rebellion gegen sich und seine Umwelt zu erhalten. (Wie kommt das nur, dass diese Platte mir soviel bedeutet?)
"Plates" ist rauh, cool, smokey, hart aber auch voller Leidenschaft. Bestes Beispiel ist Jacks "For A Little While", das wohl die herzzerreissendste Ballade hätte sein können, die er je geschrieben hat, wenn die Jerks sie nicht mit solch brutaler Inbrunst daherschmettern würden. Dieser widersprüchliche Charakter kehrt immer wieder, am deutlichsten aber, wenn Boyer wimmert: "When A Man And A Woman Are One" und man gerade anfängt, ihm zarte Gefühle abzunehmen, diese Beschaulichkeit dann aber von einer fiesen Bluesgitarre und einem heftigen Midtempo-Riff mit verzerrtem Gesang zerstört wird.
Cool sind die Jerks sowieso, den Bandnamen haben sie nicht nötig, das ist selbstverständlich nur Ironie. Doch wer solche Zeilen schreibt, der MUSS cool sein: "I've been followin' girls and I've been followin' guitars. I’ve been sleepin' in the gutters and livin' in the bars. I've wallowin' in filth and sin and now I got the Memphis Blues again.” (Scott Rogers). Mehr gibt's dazu nicht zu sagen.
(Ralf)
Reigning Sound - Time Bomb High School (In The Red Records, 11.6.02) LP
Es wird Zeit für mich, eine Lanze zu brechen für diese hinreissende Band um den ehemaligen Oblivians/Compulsive Gamblers-Gitarristen und Songwriter Greg Cartwright aus Memphis/Tennessee.
Kennt man seine bisherigen Projekte, auch sein kurzes Gastspiel bei den Deadly Snakes, wird man - ich war es jedenfalls - erstmal sehr überrascht von der ausserordentlichen Ruhe sein, die die erste Seite dieses zweiten Reigning Sound-Albums verströmt. Auch wenn man weiss, dass Greg schon immer eher die Heulboje im Gespann mit seinem "Bruder" Jack Oblivian war.
Dennoch ist Gregs meist theatralisch überdrehte, überemotionale Stimme zunächst fast nicht mehr zu erkennen, die Songs beschaulich, fast schon romantisch. Mit "I Don't Know How To Tell You" hat er auf alle Fälle die höchste Stufe auf der Skala der Cartwrightschen Herzschmerz-Schnulzen erklommen. Ich kann mir nicht vorstellen, wie er sich da selbst noch mal toppen will.
Die ironische Note kommt erst bei "You're Not As Pretty" (... as you think you are) oder bei dem abschliessenden Stones-Cover "I'd Much Rather Be With The Boys" (... than be with you). Hat mich trotz aller Schönheit (und ich geb gerne zu, einen Hang für korrekte Schnulzen entwickelt zu haben) erstmal fast entsetzt, wie gebügelt, angepasst und fast schon zerbrechlich Greg im Gegensatz zu seinen bissigen, teilweise bösartigen Vorgängern rüberkommt.
Ganz anders dann Seite 2: Bereits der Ella Fitzgerald-Klassiker "Stormy Weather" bekommt soviel Leben und Frische eingehaucht, wie es die Compulsive Gamblers zu ihren besten Zeiten nicht besser konnten. Es folgt ein Kracher auf den anderen, bspw. der Titeltrack oder das schmissige "She's Bored With You", wo doch deutlich wieder die knurrig-humoristische Seite Gregs zum Vorschein kommt, die ich so an ihm liebe.
Alles in allem ein bewegendes und mitreissendes Album, das am ehesten so klingt wie Gregs Tip-Tops-Soloaufnahmen, allerdings ohne dessen Proberaumaufnahmen-Charme. Reigning Sound ist fast schon ZU gut produziert und obwohl der Band Gedanken an Dinge wie ein Image völlig - aber vollkommen und ganz und gar - abgehen, bestritten sie bereits das Vorprogramm zur US-Tour der Hives, wo sie natürlich vor gänzlich jungfräulichem Publikum auftraten, was dem alten Haudegen wohl eher befremdlich vorgekommen sein muss, gilt er in Blues-Punk-Kreisen doch als Legende.
Dennoch waren die Hives so von ihnen begeistert (der Respekt ist ja schon etwas, das einem die Hives immer noch sympathisch sein lässt), dass sie sofort den Gamblers-Hit "Stop - Don't Think It Over Now", den die Sounds gelegentlich zum Besten geben, als Cover in ihr Liveprogramm übernahmen und Pelle nicht fertig wird, das hier besprochene Album als seine Lieblingsplatte 2002 zu erklären.
Ehre wem Ehre gebührt. Bleibt nur noch anzumerken, dass das Cover meiner Vinylversion von diesem Foto hier abweicht (ich glaube, das hier ist das CD-Cover, mein Scanner ist aber für ein 12"-Cover zu klein) und dass die Songreihenfolge auf der CD völlig anders ist.
(Ralf)
Trashmonkeys - Clubtown (LP, ohne Label, 2002) - 14.04.03
Bislang waren sie eins der Konzerthighlights 2003 und hier ist ihre aktuelle LP, ein wundervolles Album im Klappcover, das die Band wohl in Eigenregie (vermutlich aus Liebe zum Vinyl) veröffentlicht hat, denn die CD-Version erschien auf dem englischen Label Acid Jazz.
Die Platte bombt von der ersten Sekunde mit einem kräftigen Sound, der dennoch nicht überproduziert klingt. Hier hat die Band wirklich den richtigen Grat zwischen Hi- und Lo-Fi gefunden, denn zu underground will man sicher nicht sein, aber auch keine Mainstreamanbiederung betreiben. Die Songs sind stets eingängig und sehr poppig, weisen aber immer wieder Wege zum 60s-Garage, Beat und auch zum 77er Punkrock. Der Gesang, live noch etwas konturlos, kommt hier ganz und gar gegenteilig, nämlich mit ner Menge Profil und Qualität, so dass sich die Trashmonkeys keinerlei internationaler Vergleiche scheuen müssen und mit einem Clip auf MTV sowieso schon in anderen Breiten überzeugt haben, was auch ihre Touren durch ganz Europa beweisen.
Clubtown ist für mich ein geschmackvolles und immer wieder gerne gehörtes und angegucktes Album.
(Ralf)

The Hicktown Heroes - Fuel In My Veins (selbstproduziert, 2002) CD
Fuel in my Veins ist der bislang eindeutige Höhepunkt einer Rockband, die wie keine andere in unserem Kreis staubigen Ami- bzw. Aussie-Rock in den Underground zieht. Ihre eigentlichen Affinitäten zum Old-School-Hard-Rock sind deutlicher erkennbar denn je und erstmals halten auch garagige Momente Einzug, dass einem der Sprit auf der Zunge zergeht.
Hervorzuheben sind vor allem drei Dinge:
  1. Das Songwriting: Nicht perfekt (und das kann und soll es gar nicht sein), aber fast. Weitgehend entschlackt, mit noch eingängigerem Riffing, hängen bleibenden Refrains und einigen Baselines, die Rockgeschichte schreiben würden, wenn die Welt gerechter wäre. Mit Paradise ist ihnen zudem ein hinreissend schöner Song gelungen, der nach Rock-Top-Ten schreit. Das Unterhemden-Image können die Hicktowns angesichts soviel Soul nun eigentlich nicht mehr auftragen. Das ist kein trocken Brot mehr, das ist eine Sahnekuchentorte mit Eisenfeile drin um die Gitterstäbe zum Rock-Paradies zu zersägen.
  2. Der Sound: Sehr mutig und unerwartet kommt für mich die klare Abgrenzung vom aktuellen Immer-fetter-Sound. Haben die Hicktowns bislang immer recht dicht und wummrig aufgetragen, so hört man hier nun Blues- und Rock-Roots heraus, die old-fashioned-as-fuck klingen und einem das Herz auf Brodeltemperatur erwärmen. Die Gitarre hat mindestens zwei Verzerrer ausgekabelt und fiebert das eine oder andere Solo sogar nahezu unverzerrt durch die Kalotten. WOW!
  3. Michels Gesang. Was ist mit diesem Mann bei diesen Aufnahmen nur passiert? Dass er was drauf hat, wollte auch vorher niemand bezweifeln, doch das hier stellt alles (ALLES) Bisherige in den Schatten. Passion und Aggression, Betonung, Akzent: Das hier hebt die Hicktowns weit aus der Masse lokaler Bands hervor.
Und ich sage das nicht, weil mich eine langjährige Freundschaft zu den Masters of the Alb verbindet. This is the real opinion of a real man. Ich stehe dafür ein.
(Ralf)
Tigerbeat – No.1 (Exile On Mainstream Records, 22.2.02) LP
"Hamburgs heisseste Band" – "Sex Rock" – das sind die Fachbegriffe, die für dieses Quartett strapaziert werden und, ohne sie bisher live gesehen zu haben, kommt das auf der Platte schon bestens rüber.
Die Fotos deuten auf ein paar handsome Gesellen hin, das Cover strahlt Atmosphäre aus und die Musik um so mehr. Ich würde es als trashigen Underground-Rock bezeichnen, der sich in der Garage genauso bedient, wie im Pop und dabei stets abwechslungsreich swingt und sext.
Klasse Vocals, super Gitarren, hinundwieder Orgel und anderer Tastenkram, wobei sie auch vor naiven Synthie-Passagen nicht zurückschrecken.
Ganz klar, ne wunderbare Entdeckung in der deutschen Underground-Gosse. Eingängig, mitreissend, wild und stilvoll.
Empfehlung!!!
(Ralf)
Lydia Lunch And The Anubian Lights - Champagne, Cocaine, and Nicotine Stains (Crippled Dick Hot Wax, 1.2.02) 10"
Oh neeeeeee!!! Ich weiss nicht, warum ich diese Platte gekauft habe, nachdem ich schon aus dem letzten Lunch-Konzert, das sie mit diesen Tindersticks-Langweilern gegeben hatte (vor ca. 3 Jahren), nach 20 Minuten rausgelaufen war. Auch hier bekommen wir wieder viel elektronische Musik mit Anspruch. Ohne wirklich zu wissen wovon ich spreche, würde ichs in die Ambient-Ecke schmeissen. Darüber Lydias typische Rants ("The trouble with being so bad... is that it feels so damn good." Is ok, aber das hab ich von ihr schon vor 20 Jahren gehört.) Meiner Meinung nach passt das nirgends zusammen. Ist totaaaal langweilig und halt irgendwie richtig etabliert. Das könnte Jazzern gefallen. Unsereins aber nicht. Ich behaupte nach wie vor, dass Shotgun Wedding mit Rowland Howard von 93 (ein absolut phantastisches Album) das letzte war, das man sich von Lydia anhören kann.
Fazit: I'm through with Lydia! Finger weg!!
(Ralf)
Ko And The Knockouts - Selftitled (Sympathy For the Records Industry, 22.1.02) LP
Sicherlich eine interessantere Variante, wenn man auf Pop-Punk-mit-netten-female-Vocals steht. Da spielt das Detroit-Flair mit rein und die Tatsache, dass neben zwei Ex-Detroit Cobras auch Jim Diamond seine Finger tiefer drin hatte, als den Kram einfach nur aufzunehmen. Die Gitarrensounds sind exzellent und die eine oder andere famose Songidee (wie bspw. die herrliche Ballade am Ende der ersten Seite). Insbesondere die zweite Seite kann fast durchweg gefallen, da hier immer mehr klassisches Roots-Riffing und eine wunderschöne Orgel von Diamond zum Zug kommen. Dennoch werde ich es Ko nicht verzeihen, eine für mich derart vielversprechende Band, wie die Come On's verlassen zu haben, um sich dem Punk-Rock hinzugeben. Nee Mädel, so nich!!!!
(Ralf)
The Punkles - Punk! (Bitzcore, 6.5.02) CD
Hamburger Band-Projekt mit Prollhead und Nixon Now!-Mitgliedern. Sie spielen Beatles-Songs, in Punk-Manier. Ist echt gut gemacht, liebevoll und sehr lustig.
(Ralf)
Oslo Motherfuckers - Greetings From The Big O (Bitzcore, 6.5.02) MCD
2x Turbonegro (Happy Tom, Chris Summers) und 1x Anal Babes (Gitarrist Dave) mit zwei vorher nicht weiter aufgefallenen Leuten. Klingen ähnlich wie Turbonegro zur Ass Cobra-Phase, mit fetten, treibenden Riffs, dafür mit einem total überdrehten Sänger, der der Sache letztlich die Krone aufsetzt.
Dennoch gefällt mir "Greetings From The Big O" nicht. Turbonegro fand ich schlicht und einfach besser und die Anal Babes sowieso. Neben vier Songs bekommt man anschliessend noch eine kleine Kostprobe durchgedrehter Ideen zu hören, was ja auch Turbonegro schon immer heraushob: Bobby Zodiacs Karaoke Machine ist einmal die Acapella-Version des Openers, dazu zwei 80er Jahre Disco-Nummern, über die der Stimmakrobat ganz hemmungslos drüberschmachtet. Wenn man norwegisch könnte, würde einem vielleicht auch der Sinn der Sache klarwerden. Ich brauch das Teil jedenfalls nicht.
(Ralf)
The Heroines - Rock'n'Roll Boy (Promo-CD)
Vorab-CD der demnächst in Eigenproduktion erscheinenden, auf 500 handnummerierte Exemplare limitierte 7". 3 schmissige Tracks der neuen Girl-Group-Hoffnung aus Stuttgart um die Ex-Bam Bams-Sängerin E.V.E.. Flotter Pop-Punk-Rock'n'Roll, mit kurvigen Melodien und angenehmem Gerumple unter den dominierenden (für meine Begriffe schon fast überladenen) Gesangslinien.
Gitarre, Bass und Drums sägen sich durch die ganz frühen 80er, setzen aber auf gute Laune. Alle drei Songs kaum länger als zwei Minuten und einmal ist sogar eine nena-konforme Synthie-Sequenzer-Passage auszumachen, hihi. Das ist gefällig und tut nicht weh. Ich war aber doch erleichtert, dass die Produktion solide unterpoliert ist, denn meine Befürchtung war schon fast, dass die vier Damen und Herren es auf die Top Ten abgesehen haben, so schmissen sie sich in ihre Werbeaktionen.
Single-Release-Party ist am 31.5. im Stuttgarter Club Hi. Ich weiss nicht, wie die Single aussehen wird. Wenn sie aber das gleiche Cover hat, wie die Promo-CD, dann ist das hier die Rückseite. Das Foto hat mir halt besser gefallen.
LP kommt dann übrigens im Herbst und zwar auf Wolverine.
(Ralf)
Hundred Reasons - Ideas Above Our Station (Columbia, 21.5.02) CD
Hundred Reasons ist filigrane, emotionale und perfekt herausgearbeitete Indie-Rockmusik aus England. Technisch, kompositorisch und soundmässig absolute Top Quality. Ein herausragender, mitreissender Sänger. Energisch und druckvoll, mit der nötigen Härte, dennoch sehr gefühlvoll und insgesamt etwas melancholisch.
Sehr schöne Platte von einer Band, die hart dafür gearbeitet und nun verdientermassen einen Vertrag bei Columbia eingefahren hat. 2000 wurden sie bei den Kerrang! Awards zur "Best New British Band" gewählt.
(Ralf)
dayFORday - Titellose 5-Track-CD (selbstproduziert)
Da ist es nun: Das mittlerweile dritte Machwerk der Balinger Ska-Punkrocker. Dieser Begriff ist allerdings nun wirklich nicht mehr haltbar, denn dayFORday haben heute soviel Eigenständigkeit entwickelt, dass sie durchaus eine eigene Schublade für sich beanspruchen können. Das Fazit der CD vorneweg: dayFORday haben ihren Weg gefunden und wissen was sie wollen. It is what it is - it's dayFORday!
Punk-Rock, irgendwo zwischen Kalifornien und Washington, also eindeutig amerikanisch gefärbt, aber auch frühe Britpunk-Einflüsse, so etwa während der ersten Dub-Phase, sind auszumachen. Erstmals fand man sich in einem professionellen Studio (Novasonic, Reutlingen) ein und das gab nun endlich auch auf Tonträger den erwünschten Sound. Dennoch musste Onkel Ralf nach Anhörung der CD zunächst mal etwas die Fresse verziehen. Ich hatte erwartet, dass dayFORday da etwas mehr Klangvolumen reinbringen werden.
Doch genau das wollten sie nicht. Ihr Ziel war, sich absolut authentisch, ohne die geringste Kosmetik, ohne Silikoneinlagen oder Push-Ups, absolut ohne technischen Firlefanz, aufs Band nehmen lassen. Selbst am Gesang wurde, ausser einem leicht angezerrten Zweizeiler bei Killing My Girlfriend, strikt darauf geachtet, dayFORday pur (augenwzinker, Sascha) zu bieten. Was hier aufgenommen wurde, sollte in erster Linie live auch machbar sein. Studio ist live, live ist Studio. It is what it is - it's dayFORday!
Nun ist es in einem Tonstudio ja so, dass man aufgrund der akkustischen Verhältnisse nicht automatisch natürlich klingt, wenn man auf Effekte verzichtet. Aber es ist zumindest mal in Ordnung, dass uns nirgendwo ein Streichorchester oder der zehnfache Michi mit einem Kathedralenhall entgegendonnert. Und darauf kams letztlich an, denn in zwei kurzen Studiowochenenden muss man sich eh aufs Wesentliche beschränken. DayFORday vertreten hiermit eine sympathische Schlichtheit, die sich im Titel, der Aufmachung und auch im Songmaterial niederschlägt.
Denn spektakuläre Hooks, überbordende Refrains, ungewöhnliche Arrangements oder überraschende Breaks braucht man bei dayFORday erst gar nicht zu suchen. Dennoch öffnen sich die Kompositionen gelegentlich an unerwarteten Stellen, setzen den einen besonderen Dreiklang oder bringen eine neckische Trompete über einer finsteren Textstelle, was dann den Songs schliesslich die ansprechende Note gibt. Leichtigkeit und Tiefe wechseln sich unscheinbar ab, sind aber doch wirkungsvoll.
Und bei Daydreamer dann - für mich - der Durchbruch! Hier kommt, was mir bei dayFORday immer fehlte: die dreckige Gitarre (Tusch). Der Ansatz, Gefälligkeit durch Trief abzulösen und, wenigstens kurz, das Gehör des Geneigten in Unruhe zu versetzen. Dreck zu produzieren ist aber sicher nicht das Ziel von dayFORday und manchmal verhungern mir ihre Chords ein wenig. Aber genau deswegen hat mir diese Rotzklampfe richtig gut getan.
Ich finde, dass die Musik sich bestimmt ganz gut zum Hören beim Fahren längerer Autostrecken eignen müsste. Die Songs sind recht lang und fast durchweg im selben Tempobereich. Diese Gleichförmigkeit lässt zwar ein bisschen die Spannung vermissen, erzeugt aber Stimmung. Man mag einfach gerne still den vorbeiziehenden Horizont beobachten und über Michis Ausführungen vom Sinn des Lebens und dem unablässigen Suchen zwischen Traum und Realität nachsinnen. Ebenfalls erstmals kann man die Texte nämlich recht gut verstehen und sowieso auch im CD-Inlet durchlesen.
(Ralf)
(nachdem mir bereits Prügel angedroht wurde, wenn ich weniger als 8 Frankensteins vergebe, bin ich jetzt mal gespannt, ob sie ihr Versprechen auch einhalten)
Kickdown - silicon-church.com (Element Records/Bellaphon, 25.2.02) CD
So. Nach zwei Demo-CDs hat sich die harte Arbeit der Balinger Rocker nun gelohnt. Mit Element-Records, vertrieben von Bellaphon, hat man endlich den verdienten Plattendeal eingefahren. Silicon-church.com ist hiermit also die erste "richtige" CD, die auch überall in den Läden stehen wird.
Stilistisch ist alles beim Alten. Man vermurgelt alles, was modern ist und klingt doch unverkennbar nach Kickdown. Etwas Techno, etwas Schwarzkittel, etwas Pop, dazu die übliche Rap-Strophe, der ein melodiöser Refrain folgt, viel Rock und Metal. Auffallend für mich vor allem, dass sie härtere Töne denn je anschlagen. Die Metal-Gitarren sind moderner arrangiert, direkter, weniger Soli, die Kickdown immer ein bisschen die neuzeitliche Note nahmen. Und dennoch hat die Platte auch sanftere Seiten denn je. Womit Kickdown erneut den Spagat von Himmel nach Hölle wagen. Ein Unterfangen, das normalerweise zum Scheitern verurteilt ist, doch diese Buben hier machen das mit links.
Einige Songs konnte man schon auf ihren ersten Demo-CDs hören. Die haben sie jetzt neu aufgenommen und hoppla - plötzlich krachen die Dinger richtig. Meine frühere These, dass die Band ihren Weg machen wird, scheint sich schon jetzt zu bestätigen. Wille und Steigerungsfähigkeit sind auf alle Fälle unübersehbar vorhanden.
(Ralf)
Atom Rhumba - Chasing The Onagro (Munster Records) LP
Ein Mick Collins alleine macht halt noch lange keinen Herbst. Für Atom Rhumba will das heissen, dass sie auch nicht besser werden, wenn sie der grosse Meister produziert. Ein schräges Durcheinander zahlloser Stile und Instrumente. Von Jazz bis Disco bekommt man hier alles geboten, was das Herz begehrt, so es denn für nervenaufreibenden Psychedelic-Groove schlägt. Die Songs basieren meist auf einer Bass-Line, die 5 Minuten lang wiederholt wird und darüber klatscht man alles, was nicht schnell genug auf die Bäume kam: Bläser, Synthesizereffekte, Bongotrommeln, alles ohne Rücksicht auf gängige Regeln. Alles im Dienste des Effekts und nicht des Songs. Der Gesang folgt keiner handelsüblichen Melodie, sondern nur seinen eigenen Gesetzen. Auf Strophe, Refrain und ähnliche Hilfsmittel verzichtet man völlig. Wer also mal was Neues probieren will und aufgeschlossen ist, bekommt hier den Future-Underground-Trash-Rock 2002, der mir am ehesten das unheimliche Hörgefühl von Bands wie der Pop Group aus den 80ern oder den Monks aus den 60ern gibt.
(Ralf)

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Teufel